Es bleibt im Sinne der Interkonfessionalität die Wahl des Religionsunterrichtes der Entscheidung der Eltern (Erziehungsberechtigten) und - je nach Altersstufe - der Entscheidung der Schüler überlassen.
Der Religionsunterricht für römisch-katholische, für evangelische Schüler sowie für Angehörige der Christengemeinschaft findet bei Einbau in den Stundenplan innerhalb der Schule statt. Sind die Gruppen eines Bekenntnisses sehr klein, so nehmen diese Schüler nach Absprache an einem der anderen angebotenen Unterrichte teil und erhalten "ihren“ Religionsunterricht außerhalb der Schule. Die Waldorfpädagogik hält jenen Eltern (Erziehungsberechtigten), die es ablehnen, ihren Kindern Religionsunterricht erteilen zu lassen, und Schülern, die sich vom Religionsunterricht abmelden wollen, entgegen, dass ein junger Mensch nicht ohne Pflege der Ehrfurcht, der Gemütskräfte und der Religiosität heranwachsen soll. Gerade sie sind Fundamente des moralischen und sozialen Verhaltens. Keine Bildung, die das Gebiet der Religion ausschließt, kann vollständig sein, weil Religion und Kultur untrennbar miteinander verbunden sind. Der junge Mensch wird erst dann zur Freiheit erzogen, wenn er über eine umfassende Grundlage für die freie Entscheidung im reiferen Alter für die Wahl oder Ablehnung eines Religionsbekenntnisses verfügt. Darum bieten die Waldorfschulen denjenigen Schülern, die an keinem konfessionellen Unterricht teilnehmen sollen, einen freien christlichen Religionsunterricht an. Er baut auf den Prinzipien der Waldorfpädagogik auf und ist in den für jede Schulstufe entwickelten horizontalen und vertikalen Lehrplan eingebettet: · Entwicklung und Pflege des religiösen Empfindens gegenüber allen Erscheinungen der Welt; Wecken der Ehrfurcht vor dem Göttlichen, Menschlichen und Natürlichen · Exemplarische Vertrautheit mit der christlichen Überlieferung, dem Legendenschatz, dem Alten und Neuen Testament; Erleben des christlichen Jahreslaufes und seiner Feste · Entwicklung des Christentums, Überblick über die Weltreligionen, Verständnis für das Glaubensgut und die Kulte der Weltreligionen · Ethnische Fragen innerhalb des gegenwärtigen Lebens; Gewissen und innere Verantwortung des einzelnen Menschen; Schicksalsfragen anhand von Biographien; Vorbereitung auf Lebensentscheidungen des jungen Menschen Der Unterricht wird von Lehrern der Waldorfschule erteilt. aus: "Pädagogischer Auftrag und Unterrichtsziele einer Freien Waldorfschule“, Tobias Richter (Hrsg.) |