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Die Spinnepoche in der 10. Klasse |
Die Waldorfpädagogik bietet den Jugendlichen an, ihre Fähigkeiten und Begabungen weiterzuentwickeln und zu schulen, indem Möglichkeiten angeboten werden, sich mit Tätigkeiten aus Urberufen wie Spinnen, Weben, Schmieden usw. auseinander zu setzen.
In der 10. Klasse üben sich die Jugendlichen im Spinnen, einer Tätigkeit eines ausgestorbenen Berufes. Heutzutage ist ein Spinner einer, der nichts mitkriegt, nicht merkt, dass sich die Welt rundherum schon weiterentwickelt hat. Während er immer noch in seinem Kämmerlein hockt und spinnt, produzieren Spinnmaschinen die vielfache Menge seiner täglichen Ausbeute. Am Spinnrad kann der Mensch aber eine Vielzahl von Fähigkeiten verbessern oder auch erst ausbilden, die er in vielen anderen Berufen ebenfalls braucht. Die Jugendlichen lernen, an Handspindeln und Spinnrädern Fäden herzustellen. Parallel geht immer die Materialkunde. Zunächst ging es darum, den Arbeitsablauf vom Scheren des Schafes (nach möglicher vorheriger Rückenwäsche), vom Sortieren der Vlieswolle, vom Verkauf, dem Waschen, Trocknen, Kämmen mit Handkarden oder durch Maschinen, vom Spinnen und Färben oder auch Filzen in seiner ganzen Bandbreite kennen zu lernen. Ungewaschene, fettige Rohwolle wurde beim erstenmal versponnen. Dann folgte handkardierte Rohwolle und schließlich gewaschene, gekardete und gekrempelte Wolle vom schottischen Hochschaf. Beim nächsten Mal wurden zwei Spulen mit weißer Wolle besponnen. Diese beiden Fäden wurden dann verzwirnt. Dadurch wird der Faden glatter, fester und spannungsloser. Wir machten Versuche mit farbiger Wolle und wandten uns dann Haaren anderer Tiere zu: Alpaka vom Lama, Kamelhaar vom Babykamel, Mohair von der Ziege, Angora vom Kaninchen. Als zweite größte Gruppe von Spinnmaterial folgte die Seide als Wolle-Seide-Gemisch, Maulbeerseide und Tussahseide. Die Entstehung des Seidenfadens durch die Verpuppung der Seidenraupe, nachdem sie, vielfältig gepflegt, sich einspinnt, das Abhaspeln des Seidenfadens, das Spinnen, Beschweren, Färben sowie die Qualität und die Verwendung des Seidenstoffes waren Thema des Unterrichts. Eine weitere Gruppe von Spinnmaterial sind die Fasern von den Pflanzen, Ramie, Leinen und Baumwolle. Die Gewinnung der Faser über das Entsamen der geernteten Leinenstengel, das Rotten der Pflanzen in Regenwasser, das Brechen der holzigen Teile, das Kämmen mit immer feineren Kämmen - mit Scheben als Abfallprodukt - (Werg als Ausgekämmtes), das Spinnen, Weben /> und Bleichen als Herstellungsweg von Leinentischwäsche, Bettwäsche und Kleidung wurde dargestellt. Wenn jemand dann Baumwollfasern zu einem haltbaren Faden verspinnen kann, darf er sich zu den erfolgreichen Spinnern zählen. Dörte Sienknecht Aus: Mitteilungen Nr. 14 RSS Hamburg-Altona
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