Die Einzelarbeit - ein Solo
In der Einzelarbeit soll die Auseinandersetzung mit einem Thema in ein handwerklich-künstlerisches Arbeitsstück, in einen theoretischen schriftlichen Teil sowie in ein Referat münden. Es geht darum, sich von einer Frage, einer Sache fesseln und leiten zu lassen, Interesse zu entfalten und dem Thema folgend daran zu wachsen.


 

In der handwerklichen Arbeit bietet ihnen die intensive Auseinandersetzung dabei Korrekturen von wohltuender Sachlichkeit und Objektivität. Diese Arbeit sowie die schriftliche und mündliche Darstellung soll als Halbjahresarbeit der erweiterten Schulgemeinschaft vor den Osterferien präsentiert werden, um danach die Kräfte vollständig auf die Verfeinerung der Theaterarbeit konzentrieren zu können.

Schon im Herangehen an die Arbeit, in der Art der Themensuche und -wahl zeigen sich die unterschiedlichen Charaktere der Jugendlichen und die Variationsbreite ihres individuellen Weges. Suche ich mir ein noch unbekanntes Arbeitsfeld oder bewege ich mich auf vertrautem Terrain? Leitet mich Interesse oder der vermutlich geringste Arbeitsaufwand?

Für den praktischen Teil ist erwünscht, dass sich jede/r einen erwachsenen Betreuer sucht. As \"Meister ihres Faches\" sollen sie den Jugendlichen Hilfestellung bei Planung, Organisation und Durchführung der handwerklich-künstlerischen Arbeit bieten. Manche der Schüler/innen suchen sich wirklich qualifizierte Persönlichkeiten und unternehmen unter Umständen richtige Reisen, andere - was die Ausnahme sein sollte - finden auch bei einem ihrer Eltern die erforderliche Hilfe.

Der theoretische Teil soll etwa 20 Seiten umfassen. Wie man Referate aus Büchern erarbeiten und vortragen kann, haben die Schüler schon in der sechsten und siebten Klasse geübt - allerdings an fest eingegrenzten Themen. Nun verantworten sie selbst das Themenfeld, die Ausführlichkeit und die Möglichkeiten einer abwechslungsreichen Darstellung und Publikumspräsentation.

Der Umgang mit der ach so flüchtigen Zeit wird dann bald ein vorrangiger Aspekt in der Organisa-tion der Eigenarbeit. Von Zeit zu Zeit berichten die Schüler in der Klasse vom Stand ihrer Arbeit. Das gibt ihnen untereinander Orientierung und Anregung, und ich als Klassenlehrer habe so den Stand der Einzelnen im Blick.

In der letzten Phase tritt wieder mehr die Klassengemeinschaft in den Vordergrund: Bei der Vorbereitung der Referate werden nicht nur die Erfahrungen aus der sechsten und siebten Klasse wieder aufgetaut. Durch Probevorträge und ihre Nachbesprechung nähern wir uns dabei der Frage nach der Qualität eines Referates. Wodurch wird ein Vortrag für den Zuhörer belebend, wodurch ermüdend?

Als Nebeneffekt kann dabei das Kritik-Üben aus der Sache heraus einerseits, das Annehmen und Umsetzen der Anregungen andererseits erprobt werden.

Am Vortragstag ist dann nochmals jeder auf sich gestellt mit seinen Arbeitsergebnissen, seiner inneren Vorbereitung und seinem Lampenfieber. Das Wohlwollen des Publikums wird keinen abstürzen lassen, aber das feine klare Gefühl für sich selbst, das über all die Jahre hin als Orientie-rung in sich selbst angesprochen und gepflegt wurde, betrügt auch jetzt nicht.

Und vielleicht erwächst aus diesem Erleben der eigenen Mühen neben einer gesunden Selbstein-schätzung und einem Stück Lebenserfahrung auch mehr Verständnis anderen Menschen gegenüber.

Bernd Ruh
aus: \"einblick 2002\" FWS Elztal